Kleine Eingriffe gut vorbereiten

Über einen guten Umgang mit Blutentnahme und kleineren medizinischen Eingriffen

 

554395_original_R_by_Andrea Damm_pixelio.de

 

Mit etwas Vorbereitung und Achtsamkeit kannst du deinem Kind  – und auch dir –  die Blutentnahme und andere Eingriffe erleichtern.

Blutentnahme, Zugang legen oder andere kleinere invasive Eingriffe sind für medizinisches Personal tägliche Routine. Für Familien chronisch kranker Kinder, die oft lebenslang und regelmäßig Blutkontrollen und häufig andere kleinere Eingriffe benötigen, werden sie aber oft zu einer wiederkehrende und enormen Belastung. Es gibt kleine Patienten die einfachere Eingriffe problemlos wegstecken. Aber ebenso kommt es vor, dass diese Termine für  Familien zu einem unverhältnismäßig großen und angstbeladenen Thema heranwachsen. Damit es nicht soweit kommt hier einige Tipps:

Telefonbegleitung für Mütter: Überfordert im Alltag? Erinnere dich wie wertvoll du bist und wie wichtig es ist, dass du gut für dich sorgst. Infos

Auszeiten für Mütter: : Für Mütter behinderter und chronisch kranker Kinder. Ruhe und Entspannung, Kraft schöpfen, wertschätzender Austausch mit Müttern… Termine 2018

Selbstfürsorge für Mütter: An zwei Samstagen  nehmen wir uns Zeit herauszufinden wie wir unseren Alltag als Mutter noch erfüllender und glücklicher gestalten können. mehr..


Vorbereitung

Für Dich

Deine innere Haltung

–  Wie stehst du zu der Blutentnahme, dem Legen des Zugangs, dem Eingriff und der Therapie?
– Bist du dir im klaren über den Sinn und die Notwendigkeit?
– Stehst du hinter dem Therapiekonzept der Ambulanz?
– Hast du zu den Ärzten und dem Klinikpersonal Vertrauen?

Gibt es Zweifel an der Richtigkeit der Empfehlung der Ärzte oder auch deiner Entscheidung? Wenn ja, was brauchst du, um zu einer klaren inneren Haltung zu kommen?
Aufklärung? Informationen? Begleitung? Eine zweite Meinung?

Es braucht eine klare innere Haltung, um deinem Kind das Gefühl von Halt und Sicherheit vermitteln zu können.

 

Ablauf klären

Wenn ihr diesen Eingriff zum ersten mal macht, dann bespreche mit den Ärzten/dem Klinikpersonal den Ablauf. Mach dir zu Hause eventuell eine Liste aller Fragen, die noch offen sind. Im Gespräch wird erfahrungsgemäß  vieles vergessen.

  • Wie läuft es ab, wer ist dabei? Wann wird es gemacht? Welche Erfahrungen und Tipps haben die Schwestern/Ärzte?
  • Besteht die Möglichkeit, und ist es sinnvoll ein Emlapflaster/Schmerzmittel/Beruhigungsmittel zu nutzen?  Wie wäre hier der Ablauf?
  • Es ist auch gut den Termin wenn möglich auf den Morgen zu legen, das Schmerzempfinden ist da geringer und es erspart euch das Warten.
  • Wie geht es dir? Was brauchst du, um dich sicher und ruhig zu fühlen?
  • Wenn möglich lass dich von jemandem begleiten, der DICH stärkt und unterstützt.
Deine Ruhe ist entscheidend und ansteckend!

 

 

Dein Kind

Informiere und erkläre deinem Kind den Ablauf sachlich und ohne überflüssige Details.
Lass diesen Eingriff aber das sein was er ist: ein kleiner Routineeingriff!

  • Umso jünger dein Kind desto näher am Termin informiere es. Bei kleinen Kindern reichen 1-2 Tage zuvor.
  • Mit kleineren Kindern kann man den Ablauf mit einem Arztkoffer oder einem Stofftier in einem Rollenspiel zur Vorbereitung durchspielen.
  • Bleib bei der Wahrheit!

Sagst du deinem Kind: „es tut gar nicht weh“ – es empfindet das aber so – verliert es das Vertrauen nicht nur zu dem Menschen der das sagt, sondern auch das Vertrauen zu sich selbst und zu seiner Selbstwahrnehmung. „Wenn Mama sagt es tut nicht weh, es tut mir aber doch weh, dann ist etwas mit mir nicht richtig“. Auf Dauer führt das dazu, dass das Kind lernt, seinen eigenen Empfindungen zu mißtrauen.

Blutentnahme, Zugang legen, Sonde legen, Peg Wechsel, u.s.w. sind einfach blöd und die Schmerzempfindlichkeit ist ganz individuell. Es ist definitiv niemandem angenehm: also sag das deinem Kind auch so! Achte darauf sachlich und auch mitfühlend zu bleiben. Und betone: es ist weder ein gefährlicher noch ein großer Eingriff. Erkläre deinem Kind warum es getan wird und wichtig ist.

  • Wenn du selber z.B. Blut abnehmen schlimm findest: schließe nicht von dir auf dein Kind, lass dein Kind seine eigenen Erfahrungen damit machen.
  • Vermeide Verneinungen: „Du musst dich nicht fürchten, es ist nicht so schlimm, hab keine Angst“ – Was dein Kind aufnimmt ist:  „Ich muss mich fürchten, es ist schlimm, hab Angst“
    Das Unterbewusstsein kennt keine Verneinungen!
  • Frag dein Kind:

„Wie geht es dir damit?“  – Niemand macht das gerne.  Auch Angst ist ganz normal.
Erinnere dein Kind an Situationen in denen es schon Angst hatte aber mutig war: „Wie hat sich das angefühlt? Wie und wo hast du das in deinem Körper gefühlt? Wie war das wie es vorbei war?“
Was kann dir helfen? (Schutzstein, Kuscheltier, Lied…)

 

 

Vor dem Eingriff

  • Achte darauf genug Zeit einzuplanen um organisiert und ruhig in den Termin zu gehen.
  • Viel Trinken und Wärme erleichtern die Blutentnahme und das Stechen.
  • Falls ihr warten müsst, lass dein Kind spielen und beschäftige es gut.
  • Lass dein Kind nicht allein
  • Vermeide, dass dein Kind weinende Kinder im Behandlungszimmer hört!
  • Sprich mit ihm darüber, was ihr nach der Blutentnahme/dem Eingriff unternehmen werdet.
  • Lass dein Kind,  je nach Alter und Möglichkeit, Entscheidungen treffen und binde es in die Behandlung ein.  Damit verringert sich das Gefühl des Ausgeliefertseins.

– Willst du sitzen oder liegen, auf meinem Schoß oder allein? Bei kleinen Kindern unbedingt Körperkontakt halten!
– Willst du das Emla Pflaster selber abziehen?
– Desinfizieren?
Kannst du Röhrchen/Material halten?
– Welches Pflaster willst du?
– Magst du es selber aufkleben?

  • Ablauf und Aufgaben zu klären stärkt das Gefühl ein Team zu sein. „Wir sind ein Team!  Auch  Ärzte und Schwestern würden jetzt lieber ein Eis essen gehen satt  Blut abzunehmen – aber das steht jetzt eben an und wir helfen zusammen. Jeder macht seinen Job und unterstützt den anderen, damit es zügig und gut läuft“

Aufgabenverteilung:

Kind: ruhig halten
Mama: auf dem Arm halten, beruhigen, singen, ablenken
Arzt: zügige Behandlung
Schwester: assistiert

  • Achte darauf wie es DIR geht

 

 

Während des Eingriffs

Tipps

  • Wenn dein Kind die Luft anhält und sich anspannt:
    – gemeinsam atmen oder Windrad anpusten
    – ein Lied singen
    – lustige Wörter ausdenken, Rätsel oder Aufgaben lösen
    – mit Spielzeug oder einem Kinderbuch ablenken
  • Wenn das Ablenken nicht klappt und dein Kind weint oder schreit, ist das auch ok. Du kannst ihm sagen: Ich sehe, das ist schlimm für dich, ich halte dich jetzt fest, damit es schnell vorbei und wieder gut ist. Gleich ist es geschafft. 
  • Spüre unter dieser Belastungssituation in deinen Körper hinein.

Gehe mit deiner Aufmerksamkeit weg vom Schreien deines Kindes hin zu dir. Verfolge deinen Atem beim Ein- und Ausatmen. Spüre den Boden unter den Fußsohlen. Wenn du Begleitung dabei hast, bitte sie eine Hand auf deine Schulter oder zwischen deine Schulterblätter zu legen. Deine Ruhe und Sicherheit überträgt sich auf dein Kind!

  • Körperkontakt halten! Wende dich deinem Kind achtsam zu. Lass dein Kind deine Hand fest drücken, halte es fest und liebevoll aber vermeide es zuviel zu streicheln. Streicheln lädt den Körper ein sensibler und mehr zu fühlen und das ist im Moment ja nicht das was gewünscht ist – also bis nach dem Eingriff warten.

 

 

Nach dem Eingriff

Give me five –  Du warst so mutig – Toll gemacht!!!

Loben, loben und loben – auch das ganze  Team ausdrücklich loben und vergiss auf keinen Fall dich selbst !

 

  • Weinen entspannt: falls dein Kind weint, lenke es nicht ab. Lass es sich ausweinen,  das löst die Anspannung, erleichtert und reinigt. So verarbeiten besonders kleine Kinder den Eingriff.
  • Raum wechseln: Wenn dein Kind aber sehr aufgebracht ist,  sich hochschaukelt und nicht von allein zur Ruhe kommt, geht in einen anderes Zimmer wo du dein Kind beruhigen kannst. 
  • Anspannung lösen:  Arme und Beine ausschütteln und aufstampfen entlädt die Spannung. Das tut dir auch gut! Mach das zusammen mit deinem Kind.
  • Wenn dein Kind Schmerzen hat, frage nach wo am Körper es keine Schmerzen hat – sicherlich  findet ihr eine Menge Stellen. Es hilft den Fokus auf etwas anderes zu richten,  relativiert den „Alles- tut- weh- Schmerz“ und lässt das Kind seinen Körper wieder gerne spüren.
  • Falls Eingriffe/ Blutentnahmen regelmäsig und längere Zeit nötig sind, ist es hilfreich die ersten Jahre ein angemessenes Ritual zu entwickeln  – vielleicht in ein ganz bestimmtes Cafe zu gehen oder etwas besonderes zu essen an dem Tag.
  • Und Schritt für Schritt die Selbstständigkeit fördern, individuell und altersentsprechend mehr Verantwortung abgeben. Das Ziel ist es, dass dein Kind irgendwann diesen Eingriff nur noch als vielleicht lästige aber normale Routine erlebt.
  • Reflektiere den Tag. Geh am Abend mit deinem Partner oder einer Freundin noch einmal den Tag durch. Wie ist es gelaufen, wie ging es dir, deinem Kind? Gibt es etwas zu verbessern das nächste Mal?
  • Verarbeitung für das Kind
    – Zuhause der Familie berichten, am Telefon der Oma erzählen – loben.
    – bei Bedarf nachspielen mit Puppen oder Bild malen

Selbsttest

insbesondere für Mütter chronisch kranker Kinder:

geht es vielleicht um mehr als nur den Eingriff?

Spiele in Gedanken den Ablauf des bevorstehenden oder auch des letzten Eingriffs durch und stelle dir vor deinem inneren Auge die Situation vor:

Sieh dein Kind im Behandlungszimmer. Vielleicht weint es, hat Schmerzen, schreit, ist ängstlich. Wie geht es ihm und was macht das mit dir?
Wie fühlt sich das an? Was nimmst du wahr?

  • Gedanken wie: was tun sie dir nur an, du tust mir so leid, warum musst du das ertragen? Gefühle der Trauer oder der Schuld.
  • Du spürst körperliche Symptome wie Anspannung oder Herzrasen.
  • Du empfindest Angst, Wut oder Panik, Tränen steigen dir in die Augen?
  • Bereits Tage zuvor kreisen deine Gedanken um den Termin.
  • Du bist noch Stunden oder gar Tage nach dem Termin total erschöpft und mitgenommen, deine Gedanken beschäftigen sich weiter intensiv mit dem Eingriff.

Wenn du dich hier in einem oder mehreren Punkten wiedererkennst, ist es wahrscheinlich, dass dieser Eingriff stellvertretend für ein anderes Thema steht.

Ängste, Trauer und Zweifel, die bereits in der Vorstellung an diese belastende Situation durchbrechen, haben oft NICHTS mit der eigentlichen Behandlung, aber sehr wohl mit deinen Gefühlen in Bezug auf die Krankheit deines Kindes zu tun.

Und genau hier hast du eine wertvolle Gelegenheit aufzugreifen und zu bearbeiten, was sonst im Trubel des Alltags vielleicht unbewusst bleibt.

Nutze deine Chance an dieser Stelle und nimm dir, bestenfalls mit professioneller Hilfe, den Raum dich mit dem Prozess auseinanderzusetzen.

Tu das für dich und auch für dein Kind!

Kinder spüren jede Unsicherheit! Dein Kind übernimmt unbewusst deine Ängste und Zweifel.

Bitte in diesem Fall den Vater oder eine andere Bezugsperson dein Kind zu begleiten.

Du tust deinem Kind nichts Gutes, wenn du es mit deinen Ängsten begleitest.
Sie stehen deinem Kind und auch dem medizinischen Personal im Weg.

 

Auch wenn dein Kind unverhältnismäßige  Ängste entwickelt, scheue dich nicht professionelle Hilfe zu holen.  Ein Kinderpsychologe kann deinem Kind eine gute Unterstützung sein und auch dich dadurch entlasten.
Viele Kliniken und Ambulanzen bieten auch psychologische Begleitung.

Wenn du Hier Zweifel oder Fragen hast, kannst du dich gerne bei mir melden:

Zum Kontaktformular

Foto: Pixelio/Andrea Damm